Am 16.04.2005 fuhr ich ins hiesige Tierheim um Sachen abzugeben die wir übrig hatten.
Ich ging dann noch durch die Zwingeranlage wo die Hunde untergebracht sind und blieb bei einem Zwinger hängen.
Da lag etwas braunes struppiges völlig apathisch auf der Erde. Alle anderen Hunde bellten oder jaulten, aber dieser Zwinger war unheimlich still.
Ich sprach sie an und sie reagierte, mit einem blau überwuchertem Auge stierte sie in meine Richtung. Dieser Anblick ließ mich nicht los.
Durch die Gitter streichelte ich ihr Fell. Es war so spröde und aus dem Häufchen Hund strahlte kein bisschen Leben aus. Lange Zeit blieb ich dort sitzen, meine Gedanken rasten hin und her. Ich fasste mir ein Herz und fragte bei dem Tierheim Personal nach was mit dem Hund los ist. Sie bestätigten mir dass Daisy, so hieß sie, vollkommen blind ist. So fuhr ich wieder nach Hause, mitsamt meinen Jungs und war froh, dass ihnen das Schicksal im Tierheim zu sitzen erspart bleibt.
Der Gedanke an Daisy ließt mich nicht mehr los. Letztendlich kam ich zu dem Schluß, dass ich sie mal zum Spazieren ausführen könnte. Montags rief ich direkt früh morgens dort an und durfte am Dienstag, den 19.04.2005 vorbeikommen und sie zum Spaziergang mitnehmen.
An dem Tag erfuhr ich erstmals etwas mehr über Daisy. Dass sie schwerst mißhandelt wurde und von einer Nachbarin der ehemaligen Besitzer freigekauft wurde.
Das ganze Ausmaß dieser Geschichte war uns damals nicht bewußt.
Auf diesem Spaziergang hat Jamie an meiner Seele genagt und sich in mein Herz gebrannt. So habe ich einen Tag später wieder im TH angerufen und gebeten Jamie am Freitag abholen zu dürfen und sie Samstags wieder zurück zu bringen. Ich wollte ihr mal einen schönen Tag bereiten und sie auch meinem Freund vorstellen. Dies geschah am Freitag, dem 22.4.05 und nach einem Ausflug an den Rhein (wo ich den Hund von Daisy zu Jamie umtaufte) stellte ich sie Abends meinem Freund vor.
Das erste Foto von ihr am 22.4.05 am Rhein
Jamie lief in den Garten und stand ihm plötzlich gegenüber, stierte mit ihren blinden Augen und ihrem krüppeligen Körper in seine Augen. Und das, was er dann sagte, ließ mich vor Freude weinen: "Gott ist die süß, aber Du glaubst ja nicht allen Ernstes, dass ich sie morgen wieder ins Tierheim bringe. Nein, die bleibt bei uns, sie braucht dringend Hilfe."
Und so geschah es, dass wir am Samstag, dem 23.4.05 ins TH fuhren um die Formalitäten zu erledigen und Jamie wieder mit nach Hause zu nehmen. Der Mann vom TH hatte an dem Morgen bereits mit dem Vorstand über Jamie gesprochen und sie haben einstimmig beschlossen, dass sie uns Jamie gerne schenken möchten.
Ich hatte so einen Kloß im Hals.
Aber mein Freund hat das nicht angenommen, okay angenommen schon, aber er hat dann eine allgemeine Spende getätigt. Sie begründeten die Entscheidung damit, dass sie für Jamie nie eine Chance sahen dass sie vermittelt wird. Jeder ging an ihrem Zwinger vorbei, sobald sie ihre Augen sahen und wie sie läuft. Warum nur?
Ich verstehe das nicht, denn sie ist perfekt auf ihre Art und Weise. Man muss schon hinter den Hund gucken, nicht auf das was man momentan sieht. Niemand erkannte das Potential das dieser Hund hat, außer mir.
Am 16.6.2005 fuhren wir mit Jamie in die Tierklinik Duisburg um eine eventuelle OP-Möglichkeit abklären zu lassen.
Dort erfuhren wir das Ausmaß von Jamie´s Leidensweg:
- Rachitis
- Bruch von Elle und Speiche
- Karpalgelenksfraktur rechts
- instabiles Karpalgelenk links
- Keratitis
- Retinaatrophie linkes Auge
- Ophtalmitis und Cereanitis
- mind. 8 gebrochene Rippen
- Dammbeinbruch auf rechter Hüftseite
-Oberschenkelhalskopf ausgekugelt und gebrochen auf linker Seite
- Ihr rechter Ellbogen ist völlig hinüber
Außer ihrem linken Vorderbein und der Wirbelsäule ist nichts mehr heile an ihr. Sie wurde auf grausamste Art mißhandelt und gequält. Aber ihr lachen haben wir schnell wieder wecken können.

Diese Sache ließ mich nicht los und so habe ich mich auf die Suche nach der Frau gemacht die Jamie damals freikaufte. Am 23.7.05 haben wir uns getroffen. Die Frau brachte auch die Nichte dieses Unmenschen mit. Das Kind war die einzige die sich damals ab und an um Jamie kümmerte. Das Kind erzählte was sie mit eigenen Augen gesehen hat.
Ich glaube ich hab mich zusammen reißen können weil sie ein Kind ist, da muss man als Erwachsener doch stärker sein. Es war hart was sie schilderte, wie sie selber sah wie er die winselnde Jamie immer wieder in die Ecke getreten hat, etc... Sie hat fast nie Wasser oder Futter bekommen. Er gab ihr mal Gyros ab oder übrig gebliebene Kartoffeln. Das Kind brachte ihr heimlich Futter und füllte den Napf mit Wasser. Wenn Jamie den aber aus Versehen umschmiss gab es von dem Typen kein neues.
Ich sah die Angst in Valeries Augen als sie von ihm sprach und kann nur sagen Hochachtung vor dem Mut dieses kleinen Menschen dass sie sich ihm entgegenstellte und letztendlich noch die Fotos machte um sie der Frau zu zeigen die Jamie aufgrund dessen da rauskaufte.
Jamie konnte ihre schweren Mißhandlungen nicht sehen, sie war damals schon blind. Sie war 8 Monate lang in der Küche am Heizungsrohr angebunden und hatte keine Chance diesem Martyrium zu entkommen.

Bis sich mutige Menschen das Herz fassten sie zu befreien und ich sie im Tierheim finden konnte.
Nun ist sie seit knapp 5 Monaten bei uns. Aus dem mickrigen apathischen Hund ist eine selbstbewußte junge Schäfer-Mix-Hündin geworden die ihr Leben in vollen Zügen genießt und sehr tapfer und stark ist.

Meine beiden Rüden Kimba und Aaron haben mir in den letzten Monaten bei Jamie´s Erziehung und Kampf gegen ihre Ängste ganz dolle geholfen.
Ohne meine Jungs
Platzhalter : Bilderlink von Imageshake leider nicht mehr gültig
wäre Jamie nicht das was sie heute ist. Sie hat von ihnen die Hundesprache gelernt und vieles mehr.
Am 23.8.05 war die erste OP- Femurkopfresektion mit vollem Erfolg. Bereits 22 Tage nach der OP kann Jamie traben ohne zu humpeln, mit allen vier Beinen gleichmäßig. Wie ein normaler Hund. Und Jamie ist normal, sie kann nur nichts sehen, na und? Ihr ist es sowas von egal, sie lebt, sie ist frei und in Sicherheit. Was will ein Hund mehr, ausser noch jeder Menge Liebe.
Ihre Lebensfreude
ist unbezahlbar für uns. Und ihr charmantes lachen und zwinkern, Jamie hat es geschafft auch wenn noch ein langer Weg vor uns liegt um sie halbwegs wieder herzustellen, gemeinsam werden wir das schaffen, Schritt für Schritt.







